Euphydryas maturna (Linnaeus, 1758) (Eschen-Scheckenfalter)


Euphydryas maturna: Männchen (Nordostwürttemberg, 2010) [N] Euphydryas maturna: Männchen an Crepis biennis (Nordostwürttemberg, Mai 2011) [N] Euphydryas maturna: Männchen Euphydryas maturna: Männchen [N] Euphydryas maturna: Unterseite Euphydryas maturna: Weibchen [N] Euphydryas maturna: Weibchen auf Crepis biennis [N] Euphydryas maturna: Weibchen auf Crepis biennis [N] Euphydryas maturna: Weibchen [N] Euphydryas maturna: Kopula Euphydryas maturna: Eiablage (Mai 2011, Nordostwürttemberg). Ein anderes Teilblatt der Fieder ist bereits von einem anderen Weibchen belegt worden. [N] Euphydryas maturna: 4 frische Eigelege (noch gelblich) auf der Blattunterseite eines Eschenblatts [N] Euphydryas maturna: Frisches Eigelege [N] Euphydryas maturna: Frisches Eigelege (Detail) [N] Euphydryas maturna: Einige Tage altes Eigelege [N] Euphydryas maturna: Einige Tage altes Eigelege [N] Euphydryas maturna: Einige Tage altes Eigelege [N] Euphydryas maturna: Schlupfreifes Eigelege [N] Euphydryas maturna: Schlüpfende Raupen [M] Euphydryas maturna: L1-Raupen neben Eihüllen Euphydryas maturna: L1 Euphydryas maturna: Raupen am Ende des ersten Stadiums Euphydryas maturna: L1 [N] Euphydryas maturna: Nest von L1-Raupen, noch auf die Ablagefieder beschränkt [N] Euphydryas maturna: L1-Gespinst [N] Euphydryas maturna: Nest von L1-Raupen: bereits auf Nachbarfieder übergreifend [N] Euphydryas maturna: Eschentrieb mit mehreren Jungraupengespinsten (S-Germany) [N] Euphydryas maturna: Gespinst über das gesamte Blatt [N] Euphydryas maturna: L2-Raupengespinst [N] Euphydryas maturna: Eschentrieb mit mehreren L2-Gespinsten [N] Euphydryas maturna: Völlig versponnene und abgefressene (nur Parenchym!) Fieder, rechts ist noch ein weiteres, später abgelegtes Eigelege zu sehen, das kaum mehr Chancen haben dürfte (Nordostwürttemberg 2010) [N] Euphydryas maturna: Jungraupennest [N] Euphydryas maturna: Jungraupen, noch an der Esche [N] Euphydryas maturna: Jungraupe Anfang April (NE-Württemberg) [N] Euphydryas maturna: Halbwüchsige Raupe im April [N] Euphydryas maturna: Halbwüchsige Raupe im April [N] Euphydryas maturna: Raupe Euphydryas maturna: Raupe an Plantago [M] Euphydryas maturna: Raupe [N] Euphydryas maturna: Raupe lateral [N] Euphydryas maturna: Raupe [N] Euphydryas maturna: Raupe an Valeriana [N] Euphydryas maturna: Raupe an Veronica hederifolia [N] Euphydryas maturna: Raupe nach dem Abfressen eines einzelnen Valeriana-Blatts, das zwischen Buschwindröschen und Scharbockskraut wuchs [N] Euphydryas maturna: Puppe an einem Eschenstamm in ca 80 cm Höhe [N] Euphydryas maturna: Larvalhabitat: Eschensaum an einer frischen Talwiese Anfang April 2010 (NE-Württemberg) [N] Euphydryas maturna: Habitat: frische Talwiese im Frühjahr [N] Euphydryas maturna: Larvalhabitat im Übergang Eschenwaldsaum-frische Talwiese (Fund mehrer Raupen), NE-Württemberg, April 2010 [N] Euphydryas maturna: Habitat zur Falterflugzeit: im Gebüsch ansitzende Männchen, in der Wiese Falter an Crepis biennis [N] Euphydryas maturna: Eiablagehabitat: die Esche im rechten Bildteil war massiv belegt [N] Euphydryas maturna: Habitat zur Zeit der Raupennester. Die Talwiese ist gemäht. [N] Euphydryas maturna: Bedrohung durch Begüllung eines Teils der Talwiesen, die auch den Gehölzrand erfasst: mehrere Jungraupennester wurden durch die Gülle zerstört! Juli 2010, Nordost-Württemberg. [N]

Raupennahrungspflanzen:
Die Eiablage erfolgt nur an Fraxinus excelsior, nach der Überwinterung fressen die Raupen aber auch andere Pflanzen wie nach eigenen Beobachtungen etwa Lonicera, Scrophulariaceae (Veronica, Rhinantus und vermutlich weitere Arten), Plantaginaceae (Plantago sp.) oder Valerianaceae (Valeriana sp.).

Lebensraumansprüche:
Euphydryas maturna bewohnt feuchte, lichte Wälder mit ausreichend Binnensäumen, feuchten Waldwiesen und Eschenjungwuchs in geeigneter Lage. Manchmal werden auch mit reichlich Eschen durchmischte Raine zwischen Wiesen besiedelt. Wichtig sind besonnte, windgeschützt und luftfeucht stehende Eschen zur Eiablage und zur Flugzeit ungemähte Wiesen mit Faltersaugblüten. Die Raupen benötigen im Frühjahr unbegüllte und ungewalzte Wiesensäume zu Gehölzen.

Entwicklungszyklus:
Die Flugzeit dauert von Mitte Mai bis Anfang Juli mit Schwerpunkt Ende Mai bis Mitte Juni. Die Männchen sitzen teils an den Waldrändern auf Büschen und tieferen Zweigen an und bilden kleine Reviere, von denen aus sie vorbeifliegende Falter kurz verfolgen. Als wichtigste Saugpflanzen stellte ich in einem Habitat im Nordosten Baden-Württembergs Crepis biennis und (etwas weniger) Ranunculus acris fest.

Die Eiablage erfolgt in Haufen an der Blattunterseite von Eschen, wobei die Falter sehr wählerisch sind, was die Standortbedingungen der belegten Pflanzen anbelangt. Manchmal findet man so mehrere Eigelege an einem Eschenblatt. Im Sommer (Juli/August) fallen die Jungraupengespinste an den Eschen sehr auf und können zur Kartierung/Bestandseinschätzung verwendet werden.

Die Überwinterung der halbwüchsigen Raupen erfolgt am Boden. Ein Teil der Raupen setzt sich im Folgejahr nach kurzer Aktivität zu einer erneuten Überwinterung fest. Zuchtversuche (E. Friedrich) legen nahe, dass sogar eine dritte Überwinterung vorkommen kann. Dies ist bei Euphydryas insgesamt keine Seltenheit und hilft der Art über Jahre mit zur Flugzeit extrem schlechter Witterung hinweg.

Die Raupen werden nach der jeweiligen Überwinterung im März aktiv. Ausgewachsene Raupen findet man meist im Mai. Die Raupen sitzen oft zum Teil exponiert in Bodennähe auf altem Laub, losen Ästchen oder Halmen und sonnen sich. Doch zum Teil sind sie auch recht versteckt wie der Fund einer in Häutungsruhe zum letzten Stadium befindlichen Raupe in über 1m Höhe unter Moos an einem Eschenstamm zeigt.

Gefährdung: vom Aussterben bedroht

Gefährdungsursachen:
Euphydryas maturna ist in Mitteleuropa unmittelbar vom Aussterben bedroht durch eine Vielzahl von Faktoren wie Entsaumung der Wälder durch dichte Aufforstung auch jeder Waldwiese und Eutrophierung (Stickstoffverbindungen über Niederschläge, aber auch Kohlenstoffdioxidanreicherung in der Luft), Rückgang traditioneller Waldbewirtschaftungsformen wie Mittelwaldwirtschaft, Absenkung des Grundwasserspiegels und einhergehender mikro- und mesoklimatischer Veränderungen, Plenterwirtschaft und Auwaldvernichtung. Die potentiellen Imaginalhabitate (angrenzende Talwiesen) werden heute meist viel zu intensiv bewirtschaftet (Düngung und Mahd), so dass zur Flugzeit keine geeigneten Saugpflanzen vorhanden sind.

Als weitere mittelfristig vermutlich bedeutsame Gefährdungsursache macht sich seit einiger Zeit das auch an den letzten verbliebenden Standorten des Falters auftretende Eschentriebsterben bemerkbar. Durch diese Krankheit sterben zunächst einzelne junge Zweige und Triebe, dann auch junge Bäumchen ab. Mit der Zeit fallen ihr schließlich sogar alte Eschenbäume zum Opfer.

Eventuell kommt auch heute zudem noch ein Absammeln der Raupengespinste vor, das bereits durch Lebensraumeinengung geschwächte Populationen gefährden kann, aber sicher nur eine ganz untergeordnete Rolle beim Verdrängungsprozess der Art spielt.

Besser ist es um Euphydryas maturna nur mehr im Osten des Gesamtverbreitungsgebietes bestellt.

Bemerkungen:
FFH-Art (Anhänge II und IV)!

Die Gesamtverbreitung reicht von Ostfrankreich über Teile Mittel- und Osteuropas bis ins gemäßigte Asien (Baikalsee, Mongolei). Im Westen des Areals sind jedoch nur mehr wenige, weit verstreute Populationen übrig geblieben. Euphydryas maturna fehlt in der Schweiz und im Westen Österreichs (Vorarlberg, Tirol).



Euphydryas aurinia | Euphydryas cynthia | Euphydryas desfontainii | Euphydryas intermedia