Euphydryas aurinia (Rottemburg, 1775) (Goldener Scheckenfalter)


Euphydryas aurinia: Weibchen (Bulgarien, Rila-Gebirge, 1900m NN, Ende Juli 2013) [N] Euphydryas aurinia: Männchen (Rila-Gebirge, 1900m NN, Ende Juli 2013) [N] Euphydryas aurinia: Falter (Abruzzen, L Euphydryas aurinia: Männchen (Provence, Massif de la Sainte Baume, Ende Mai 2013) [N] Euphydryas aurinia: Weibchen (Provence, Massif de la Sainte Baume, Ende Mai 2013) [N] Euphydryas aurinia: Kopula (Provence, Massif de la Sainte Baume, Ende Mai 2013) [N] Euphydryas aurinia: Kopula (Provence, Massif de la Sainte Baume, Ende Mai 2013) [N] Euphydryas aurinia: Weibchen (e.l. Provence) [S] Euphydryas aurinia: Unterseite (e.l. Provence) [S] Euphydryas aurinia: Unterseite (Abruzzen, L Euphydryas aurinia: Falter (Abruzzen, L Euphydryas aurinia: Oberseite [N] Euphydryas aurinia: Kopula (Kanisfluh, Vorarlberg, Juli 2008) [N] Euphydryas aurinia: Unterseite [N] Euphydryas aurinia: Balz (Rätikon, 1800m NN, Juli 2013) [N] Euphydryas aurinia: Falter (Lüner See, 2100m NN, Anfang Juli 2011) [N] Euphydryas aurinia: Falter (Allgäuer Alpen, 1500m NN) Euphydryas aurinia: Form debilis (e.l. Val Rosegg, Engadin) [S] Euphydryas aurinia: Falter (Allgäuer Alpen, 1500m NN) Euphydryas aurinia: Oberseite debilis (alpine Form) [N] Euphydryas aurinia: Unterseite Form debilis (e.l. Val Rosegg) [S] Euphydryas aurinia: Unterseite debilis (alpine Form) [N] Euphydryas aurinia: Falter, Nordgriechenland, NE Kastoria, 1800m NN, Juli 2010 [N] Euphydryas aurinia: Falter (NE von Kastoria, Griechenland, 1800m NN, Juli 2010) [N] Euphydryas aurinia: Weibchen (Nordgriechenland, Vitsi N Kastoria, Ende Juni 2013) [N] Euphydryas aurinia: Eigelege (von debilis an Gentiana acaulis am Lukmanier-Pass) [N] Euphydryas aurinia: Jungraupen [M] Euphydryas aurinia: Jungraupennest an Gentiana punctata im Engadin in 2400m NN (September) [N] Euphydryas aurinia: Jungraupennest an Lonicera (Ostspanien, Castellòn, Juli 2013) [N] Euphydryas aurinia: Raupe (S-Bavaria, SW Ammersee) [N] Euphydryas aurinia: Helle Raupe, Bregenzer Wald, Kanisfluh,1500m NN, 2010 [M] Euphydryas aurinia: Raupe (Bregenzer Wald, 1500m NN) [M] Euphydryas aurinia: Raupe (Bregenzer Wald, 1500m NN) [M] Euphydryas aurinia: Raupe (Provence, April 2010) [N] Euphydryas aurinia: Raupe (Provence, April 2010) [N] Euphydryas aurinia: Raupe (debilis-Höhenform) [M] Euphydryas aurinia: Raupenversammlung an Gentiana kurz nach der Schneeschmelze (N-Tessin) [N] Euphydryas aurinia: Raupe im Val Rosegg in 2000 m NN an Lonicera coerulea [N] Euphydryas aurinia: Puppe auf Colchicum-Blatt [N] Euphydryas aurinia: Puppe (debilis, e.l. Val Rosegg, Raupe im Mai 2008) [S] Euphydryas aurinia: Puppe [S] Euphydryas aurinia: Puppe [S] Euphydryas aurinia: Puppe [S] Euphydryas aurinia: Habitat der Höhenform debilis (Montafon, 1700-2000m NN) [N] Euphydryas aurinia: Habitat der Tieflandform (Falchmoor, S-Bayern) [N] Euphydryas aurinia: Habitat im bulgarischen Rila-Gebirge Ende Juli 2013 [N]

Raupennahrungspflanzen:
Im Feuchtwiesenbereich leben die Raupen meist an Succisa pratensis (Teufelsabbiss), im Alpengebiet an Gentiana punctata (Gentianaceae), Gentiana acaulis und weiteren Enzianen sowie Scabiosa lucida (Dipsacaceae). Im Jura lebt die Art an den wenigen Vorkommensstellen meist an Scabiosa columbaria. Dazu wird gelegentlich Knautia arvensis befressen, wo ich beispielsweise auf einer wechselfeuchten Wiese im Ammerseegebiet Kahlfraß im Frühjahr beobachtete, und Knautia dipsacifolia (etwa in Waldlückensystemen der Allgäuer Voralpen um 1500m NN beobachtet). Sehr selten werden weitere, verwandte Gattungen genutzt wie Menyanthes oder in Teilen des Verbreitungsgebiets (Spanien) auch Lonicera, die als Caprifoliaceae zusammen mit den Dipsacaceae (Knautia, Succisa, Scabiosa) zu der Ordnung Dipsacales zusammengefasst wird. Interessanterweise fand ich im Mai 2008 im Engadin (Val Rosegg) in 2000m NN über 10 Raupen, die an unteren Trieben von Lonicera coerulea fraßen! Gentiana fand ich im Umkreis mehrerer Meter nicht.

Lebensraumansprüche:
Euphydryas aurinia besiedelt eine Vielzahl von Offenlandbiotopen, denen aber allen gemeinsam ist, dass sie nur sehr extensiv bewirtschaftet werde und generell nährstoffarm bis höchstens mäßig nährstoffreich sind. Ursprünglich wird wohl sämtliches extensives Grünland Mitteleuropas bis hoch in die Alpen hinauf besiedelt worden sein. Dort fliegen kleinere, dunklere und schwächer beschuppte Exemplare, die früher unnötigerweise als eigene Art Euphydryas debilis abgetrennt wurden.
Heute ist Euphydryas aurinia durch Intensivierung im Tiefland auf Grenzertragsstandorte wie Moorwiesen und Trockenrasen zurückgedrängt worden. Der Falter benötigt nur mäßig hochwüchsige, nicht zu verfilzte Flächen zur Eiablage und meidet andererseits aber auch sehr magere, niedrigwüchsige und intensiv beweidete Flächen vor allem in tieferen Lagen.

Entwicklungszyklus:
Die Raupe überwintert oft als L4, selten als L3 (vor allem im Gebirge jünger). Im Flachland seltener und im Gebirge häufiger bis regelmäßig kommt eine repetetive, zweite Raupenüberwinterung vor. Raupen und später Puppen fand ich im Flachland von März bis Mai, im Gebirge noch Anfang Juli. Die Puppen waren in einem Biotop gerne an Blattoberseiten von Colchicum autumnale angesponnen. Die Falter fliegen von Mai bis Anfang Juli, im Gebirge noch im August. Die Eiablage erfolgt in Haufen an die Blattunterseite und wurde von mir an Scabiosa lucida (Allgäuer Alpen), Succisa pratensis (Allgäu) und Gentiana acaulis (Schweizer Alpen) beobachtet. Die Jungraupen-Gemeinschaftsgespinste fallen im August/September an den Pflanzen sehr auf.

Gefährdung: stark gefährdet

Gefährdungsursachen:
Euphydryas aurinia geht außeralpin sehr zurück aufgrund von Lebensraumverlust wegen Intensivierung, Aufforstung, falscher Pflege und Isolation. Diese Art verträgt weder zu intensive Beweidung noch ein dauerndes Brachfallen. Entscheidend ist die Korrelation mit der natürlichen Wüchsigkeit des Lebensraumes, d.h. schwachwüchsige Flächen sollten nicht alljährlich gemäht werden, starkwüchsige hingegen schon, wobei gewisse, wechselnde Bracheanteile anzustreben sind. Am besten dürfte auf Feuchtwiesen (Molinieten u.a.) eine Mahd ab Mitte September sein, wobei auf wüchsigen Stellen auch eine Totalmahd mit dem Kreiselmäher zumindest von vitalen Populationen vertragen werden kann (Auskunft A. Nunner).

Im Alpenraum ist Euphydryas aurinia derzeit häufig und weit verbreitet an nahezu jedem Berg (Allgäu, Vorarlberg, Schweiz).

Bemerkungen:
FFH-Art (Anhang II).

Die Verbreitung erstreckt sich von Nordafrika über Europa und das gemäßigte Asien bis Korea.



Euphydryas cynthia | Euphydryas desfontainii | Euphydryas intermedia | Euphydryas maturna