Pyrgus carthami (Hübner, 1813) (Steppenheiden-Würfeldickkopf)


Pyrgus carthami: Weibchen (Wallis, Juni 2009) [N] Pyrgus carthami: Männchen-Oberseite (e.l. Valle di Sisa) [S] Pyrgus carthami: Männchen (Wallis) [N] Pyrgus carthami: Weibchen-Oberseite [M] Pyrgus carthami: Weibchen-Unterseite [S] Pyrgus carthami: Weibchen-Unterseite (Wallis) [M] Pyrgus carthami: Männchen-Unterseite (Wallis) [N] Pyrgus carthami: Weibchen-Portrait (Wallis) [M] Pyrgus carthami: Männchen (e.o. Falakron, Nordgriechenland) [S] Pyrgus carthami: Weibchen (e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: Männchen-Unterseite (e.o. Falakron 2009) [S] Pyrgus carthami: Falter (spanische Westpyrenäen, Aisa, 1800m NN, Anfang Juli 2010) [N] Pyrgus carthami: Ei (an Potentilla cinerea, Falakron, Griechenland, Juli 2009) [N] Pyrgus carthami: Das Ei wird gelegentlich auch auf der Blattoberseite abgelegt (Falakron, Potentilla cinerea, Juli 2009) [N] Pyrgus carthami: Manchmal findet man an günstigen Stellen auch mehrere Eier pro Blatt, die aber immer von verschiedenen Ablageflügen (manchmal aber vom selben Weibchen) stammen. Falakron, Juli 2009. [N] Pyrgus carthami: Mit Eiern belegtes Polster von Potentilla cinerea. Falakron, Juli 2009. [N] Pyrgus carthami: L2-Raupe (e.o. Falakron, Nordgriechenland) [S] Pyrgus carthami: L3-Raupe (e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: L3-Raupe (e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: Raupe im vorletzten Stadium (in Häutungsruhe zum letzten, e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: Raupe nach der letzten Häutung (e.o. Falakron).  Die Tiere sind im Vergleich zu mitteleuropäischen Raupen deutlich heller gefärbt. [S] Pyrgus carthami: Ausgewachsene Raupe (e.o. Falakron). Trotz der hellen Färbung der griechischen Raupen ist die dunklere Überrauchung des Thorax auch hier typisch ausgebildet und gut zu erkennen. [S] Pyrgus carthami: Frische Puppe (e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: Beginnende Wachsausscheidung (e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: Puppe (e.o. Falakron, dorsal) [S] Pyrgus carthami: Puppe ventral (e.o. Falakron) [S] Pyrgus carthami: Ei (Valle di Susa) [M] Pyrgus carthami: L1-Raupe kurz nach Schlupf (Valle di Susa) [S] Pyrgus carthami: L1-Raupe nach Futterannahme (Valle di Susa) [S] Pyrgus carthami: Halbwüchsige Raupe (Verdon) [S] Pyrgus carthami: Raupe im vorletzten Stadium (Valle di Susa) [S] Pyrgus carthami: Ausgewachsene Raupe (Valle di Susa) [M] Pyrgus carthami: Raupe (sehr dunkle Variante, e.o. Verdon, Frankreich) [S] Pyrgus carthami: Ausgewachsene Raupe (Verdon) [S] Pyrgus carthami: Puppe, frisch (Valle di Susa) [S] Pyrgus carthami: Puppe (aus Gehäuse entnommen, Valle di Susa) [S] Pyrgus carthami: Puppe (Verdon, Provence) [S] Pyrgus carthami: Habitat in der Valle di Susa [N] Pyrgus carthami: Habitat im Wallis [N] Pyrgus carthami: Habitat im Wallis zur Zeit der erwachsenen Raupen (an derzeit blühender P. pusilla, April 2009) [N] Pyrgus carthami: Habitat im Falakron-Gebirge auf 1700-1800 m NN (Juli 2009) [N]

Raupennahrungspflanzen:
Die Raupen leben allgemein an Potentilla verna und Potentilla pusilla, stellenweise aber auch an anderen Potentilla-Arten. In der Provence wird sie von Nel von Potentilla hirta berichtet. Im äußersten Norden Griechenlands fand ich am Falakron zahlreiche Eier an Potentilla cinerea.

Lebensraumansprüche:
Pyrgus carthami besiedelt Steppenheiden, Felshänge und heiße Magerrasen. Als Larvalhabitat dienen dabei Potentilla-Polster, die auf sonst nur sehr spärlich bewachsenem Grund stocken und mikroklimatisch begünstigt sind. In der Valle di Susa (Südwestalpen) sind dies Stipa-Felsheiden in etwa 500m Höhe.
In den südwestlichen französischen Alpen (Provence) ist mir Pyrgus carthami von einem beweideten, trockenen Gelände in 1500m NN bekannt, wo auch Pyrgus bellieri, Zygaena hilaris und Chelis maculosa fliegen. Auch dort erfolgt die Eiablage an Potentilla pusilla. Ähnlich sind die Habitate im Wallis, wo ich Raupen und Falter an Steppenhängen bis 1800m NN beobachtete.

Entwicklungszyklus:
Pyrgus carthami weist eine Generation auf, die zumeist von Mitte Mai bis Mitte Juli fliegt und deren Nachkommen im vorletzten Stadium überwintern. Gelegentlich kommen aber auch später Falter vor, die in jüngeren Larvalstadien überwintert hatten und deren Nachkommen dann dasselbe tun, da bis zum Winter weniger Zeit verbleibt. So fand ich am 30.08.2007 im Wallis auf 1500m NN noch abgeflogene Weibchen.
Die Eiablage findet zwar wie bei vielen anderen Pyrgus-Arten auch auf der Blattunterseite statt (z.B. im Wallis und in der Valle di Susa beobachtet), aber gelegentlich bzw. regional häufiger auch auf der Blattoberseite (von mir etwa am griechischen Phalakron beobachtet sowie persönliche Mitteilung Thomas Fartmann nach Beobachtungen aus den spanischen Pyrenäen und von Juan Hernández Roldán aus mehreren Teilen Spaniens). Möglicherweise steht dies in Zusammenhang mit extrem heißen mikroklimatischen Bedingungen, wenn man auch die hellere Grundfärbung südeuropäischer Raupen im Vergleich zu mitteleuropäischen berücksichtigt. Die Raupen leben gerne in solchen Potentilla-Polstern, die sich am unteren (Hang), trockenen Rand kleiner, kompakter Büsche wie etwa Juniperus befinden.

Bei einer Zucht mit südfranzösischem Ausgangsmaterial wurden bei wenigen sich subitan entwickelten Raupen fünf Häutungen festgestellt, was aber noch weiter zu untersuchen sein wird (Zuchteinflüsse).

Gefährdung: stark gefährdet

Gefährdungsursachen:
Pyrgus carthami ist wie die meisten anderen Pyrgus-Arten in Mitteleuropa nördlich der Alpen aufgrund von Habitatverlust und -veränderungen zu einer großen Seltenheit geworden und ist nur in den großen Flusstälern mit begleitenden Steilhängen noch etwas verbreiteter (Main, Nahe, Oder). In Baden-Württemberg ist sie verschollen.

Bemerkungen:
Obwohl Pyrgus carthami die größte europäische Pyrgus-Art ist, weist sie die kleinsten Eier und als ausgewachsene Raupe zudem interessanterweise die kleinsten Kotballen auf.

Der Falter ist von Südspanien lokal über Mittel- und Südeuropa (fehlt aber vielerorts wie in ganz Zentral- und Südgriechenland) bis Mittelasien (Iran, Südrußland etc.) verbreitet. Am häufigsten ist sie noch in den Gebirgen der iberischen Halbinsel, den Süd- und Südwestalpen und stellenweise in Südosteuropa.

Die Raupe ist meist olivbraun bis beige mit schwärzlich verrauchtem Brustbereich. Raupen aus dem Falakron-Gebirge (Griechenland) waren aber deutlich heller gefärbt (Zuchtbeobachtung).

Hinweise zur Bestimmung:
Die Falter sind anhand der Größe und dem meist durchgehend weiß gefärbten Außenrand der Flügelunterseite vergleichsweise leicht zu bestimmen. Auf der Hinterflügel-Oberseite ist wie bei P. sidae nahe dem Außenrand oft eine regelmäßige Reihe weißer Flecken entwickelt.



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