Pyrgus armoricanus (Oberthür, 1910) (Mehrbrütiger Würfeldickkopf)


Pyrgus armoricanus: Männchen (Donaumoos) Pyrgus armoricanus: Männchen (Donaumoos) Pyrgus armoricanus: Männchen (Donaumoos) Pyrgus armoricanus: Männchen, Portrait (Donaumoos) Pyrgus armoricanus: Falteroberseite, Männchen (Donaumoos) [N] Pyrgus armoricanus: Unterseite (Donaumoos) [S] Pyrgus armoricanus: Flügelunterseite (Donaumoos) [N] Pyrgus armoricanus: Männchen-Unterseite (Donaumoos) Pyrgus armoricanus: Weibchen-Oberseite (e.o. Olymp) [S] Pyrgus armoricanus: Weibchen-Unterseite (e.o. Olymp) [S] Pyrgus armoricanus: Weibchen (Donaumoos) [N] Pyrgus armoricanus: Männchen (Askion-Gebirge, Nordgriechenland, Ende Mai 2010) [N] Pyrgus armoricanus: Männchen (Olymp, Mai 2010) [N] Pyrgus armoricanus: Falter (Askion-Gebirge, Nordgriechenland, Mai 2011) [N] Pyrgus armoricanus: Falter (Askion-Gebirge, Nordgriechenland, Mai 2011) [N] Pyrgus armoricanus: Falter (Olymp, Juli 2012) [N] Pyrgus armoricanus: Falter (Olymp, Juli 2012) [N] Pyrgus armoricanus: Falter (Olymp, Juli 2012) [N] Pyrgus armoricanus: Eiablage an typischer, offener Stelle, Leipheimer Moos [N] Pyrgus armoricanus: Ei [M] Pyrgus armoricanus: Ei [N] Pyrgus armoricanus: Geschlüpftes, leeres Ei im Dezember (sind manchmal noch monatelang nachweisbar) [M] Pyrgus armoricanus: L1 [S] Pyrgus armoricanus: L2 (überwinternd) [M] Pyrgus armoricanus: L2 im geöffneten Überwinterungsgehäuse [M] Pyrgus armoricanus: L2 (stark vergrößert) [S] Pyrgus armoricanus: Raupe in Häutungsruhe L2-L3 (stark vergrößert) [S] Pyrgus armoricanus: L3 [S] Pyrgus armoricanus: L3 [S] Pyrgus armoricanus: L4 [S] Pyrgus armoricanus: L4 [S] Pyrgus armoricanus: Raupe, eben im letzten Stadium [S] Pyrgus armoricanus: Raupe (Donaumoos) Pyrgus armoricanus: Raupe, ausgewachsen [M] Pyrgus armoricanus: Raupe, ausgewachsen [M] Pyrgus armoricanus: Raupe [M] Pyrgus armoricanus: Raupe Pyrgus armoricanus: L2, L3 und L4 (von rechts nach links) überwinternd, zum Größenvergleich nebeneinander gesetzt, Ende November, Donaumoos [M] Pyrgus armoricanus: Puppe [S] Pyrgus armoricanus: Puppe [S] Pyrgus armoricanus: Puppe [S] Pyrgus armoricanus: Puppe Pyrgus armoricanus: Puppe, lateral Pyrgus armoricanus: Gehäuse einer Jungraupe [N] Pyrgus armoricanus: Gehäuse einer halbwüchsigen Raupe Pyrgus armoricanus: Gehäuse [N] Pyrgus armoricanus: Habitat in einem trockenen Niedermoor [N] Pyrgus armoricanus: Habitat rechts und vorne (beweidet), der linke Teil hinter dem Graben ist unbeweidet zu hochwüchsig [N] Pyrgus armoricanus: Habitat am Olymp: quellige Weide mit viel Potentilla reptans [N] Pyrgus armoricanus: Habitat in N-Griechenland: eher wenig gemähter Parkplatzrand an einem Hotel (viel Pot. reptans) [N] Pyrgus armoricanus: Larvalhabitat Anfang Dezember im Donaumoos: überwinternde Raupen in Gehäusen zwischen Blättern von Potentilla reptans und der Erde Pyrgus armoricanus: Habitat im Elsaß: steiniger Brachacker mit Potentilla und Fragaria (Hirtzfelden) [N] Pyrgus armoricanus: Habitat im Askion-Gebirge (Griechenland, Mai 2010) [N]

Raupennahrungspflanzen:
Potentilla ist die mit Abstand wichtiste Raupennahrungsgattung, so Potentilkla erecta, Potentilla reptans (beispielsweise im schwäbischen Donaumoos oder in Nord-Griechenland (Olymp), Potentilla verna (z.B. im Saarland oder Haidereste bei München), Potentilla pusilla (z.B. in der Valle di Susa, Piemont) und Potentilla recta (Griechenland). Laut Literatur auch an Helianthemum nummularium, das von Raupen in der Zucht problemlos akzeptiert wird.

Lebensraumansprüche:
Pyrgus armoricanus braucht nur sehr spärlich von höherwüchsiger Vegetation bewachsene Stellen, wo Potentilla-Pflanzen offen dem Boden bzw. Moos anliegen können. Im mehr ebenen Donaumoos werden besonders trockene, kleine, südexponierte Böschungen und Trampelpfade als Larvalhabitate genutzt. Insgesamt kommen die Falter immer in magerem Offenland vor, sei es in Kalk-Magerrasen oder teilweise bodensauren, trockengefallenen Niedermooren. Bei uns sind diese Formationen zumeist von einer als Wanderschäferei betriebenen Beweidung abhängig, da sich sonst allmählich hochwüchsigere Verhältnisse einstellen würden.
Auch in Südeuropa kommt Pyrgus armoricanus oft an feuchten Stellen vor, wo ich sie etwa am Olymp in Weiden mit Wasserdruckstellen fand. Im Süden (im Norden nur in besonders warmen Jahren) kommt der R-Charakter der Art mehr zum Tragen. Eiablagen beobachtete ich etwa mehrfach an einem Parkplatzrand in einer Hotelanlage im Küstenbereich der olympischen Riviera in Nordgriechenland, wo viel Potentilla reptans wuchs.

Entwicklungszyklus:
Pyrgus armoricanus hat bei uns mindestens zwei Generationen, in warmen Jahren auch eine stärker in Erscheinung tretende partielle 3. Generation (Ende April bis Juni, Juli/August und September/Anfang Oktober). Die Raupen durchlaufen vier Häutungen und entwickeln sich bei Wärme sehr schnell. Überwintert wird in den Larvalstadien L1 (nach später Eiablage) bis L4 (am häufigsten). In ihrer Entwicklung ist Pyrgus armoricanus den potenziell azyklischen Arten zuzuordnen, ähnlich wie etwa Polyommatus icarus oder Lycaena phlaeas. Dieser schnelle Entwicklungszyklus bedingt die starke Ausbreitungstendenz in sehr warmen Jahren. Meist brechen diese Sekundärpopulationen in den Folgejahren wieder rasch zusammen und Pyrgus armoricanus ist wieder auf ihre günstigen Stammhabitate angewiesen.

Gefährdung: vom Aussterben bedroht

Gefährdungsursachen:
Gefährdet ist Pyrgus armoricanus durch Biotopverlust (Eutrophierung, Brachfallen, Intensivierung, Überbauung, Zerstückelung und neuerdings auch durch Renaturierungen seitens des Naturschutzes wie Wiedervernässungen von besiedelten Flachmooren) und Isolation der wenigen verbliebenen Bestände. Der Falter breitet sich in warmen Jahren allerdings stellenweise aus, kann aber nördlich der Alpen durch den Mangel an Habitaten wegen der dichten Besiedlung des Menschen und der intensiven Nutzung fast aller Flächen wohl nur sehr kleinräumig vom Klimawandel profitieren (derzeit etwa am Oberrhein, 2009 beim elsässischen Hirtzfelden von mir beobachtet).
In Südeuropa gehört Pyrgus armoricanus dagegen zu den regelmäßig zu beobachtenden Pyrgus-Arten und ist etwa in Nord-Griechenland recht häufig.

Bemerkungen:
Pyrgus armoricanus ist in Europa (außer dem Norden und Nordwesten) von der Südspitze Schwedens bis Sizilien weit verbreitet, aber im Norden nur mehr reliktär infolge Biotopvernichtung. Daneben fliegt der Falter noch in Nordwestafrika und in Westasien (Türkei, Iran etc.). In den letzten Jahren ist stellenweise aufgrund der Klimaerwärmung eine Ausbreitung zu verzeichnen, da die polyvoltine Art auf höhere Temperaturen mit einer deutlich höheren Reproduktionsrate reagiert.

Hinweise zur Bestimmung:
Pyrgus armoricanus kann vor allem mit anderen Vertretern des Pyrgus alveus-Komplexes verwechselt werden. Neben Hinweisen durch Meereshöhe, Flugzeit, Kenntnis der Gebietsverhältnisse, Faltergröße und weiteren morphologischen Details lässt sich Pyrgus armoricanusidentität meist nur durch Genitaluntersuchung zweifelsfrei feststellen. In Südwesteuropa und Italien kann es zudem manchmal zu Verwechslungen mit Pyrgus onopordi kommen.



Pyrgus accretus | Pyrgus alveus | Pyrgus andromedae | Pyrgus bellieri | Pyrgus cacaliae | Pyrgus carlinae | Pyrgus carthami | Pyrgus cinarae | Pyrgus cirsii | Pyrgus malvae | Pyrgus malvoides | Pyrgus onopordi | Pyrgus serratulae | Pyrgus sidae | Pyrgus warrenensis