Pyrgus accretus Verity, 1925 (Ähnlicher Würfel-Dickkopffalter)


Pyrgus accretus: Weibchen-Oberseite [S] Pyrgus accretus: Unterseite [S] Pyrgus accretus: Kopula, Männchen rechts [N] Pyrgus accretus: Portrait [S] Pyrgus accretus: Ei an Potentilla [M] Pyrgus accretus: Halbwüchsige Raupe [S] Pyrgus accretus: Raupe [S] Pyrgus accretus: Raupe [S] Pyrgus accretus: Puppe [S] Pyrgus accretus: Habitat im Schweizer Jura [N]

Raupennahrungspflanzen:
Die Raupen leben an Potentilla tabernaemontani (=verna) und wahrscheinlich auch Helianthemum nummularium.

Lebensraumansprüche:
Pyrgus accretus besiedelt Magerrasen mit flachgründigeren oder felsigen Anteilen meist auf Kalk, von der Ebene bis über 1600m NN etwa im Schweizer Jura. Oft sind die Lebensräume teils bebuscht oder als größere Flecken im lichten Wald ausgebildet, müssen dann aber in räumlichem Verbund stehen. Nach bisheriger Erkenntnis kommt das Taxon in Deutschland nur im Rheintal (+ Nebenflüssen?) vor, ist dort aber vermutlich bereits weitgehend ausgestorben. Vielleicht ist Pyrgus accretus aber auch weiter östlich (nördlich des Maintals) verbreitet, was noch zu belegen wäre.

Entwicklungszyklus:
Die Falter bilden eine Generation pro Jahr. Die Raupe überwintert zwischen L2 und dem vorletzten Stadium. Die Imagines fliegen von Mitte Mai (Tieflagen) bis Anfang September (hauptsächlich in höheren Lagen).

Gefährdung: gefährdet

Gefährdungsursachen:
Durch Lebensraumverlust wie dem Verschwinden von Magerrasen (Aufforstung, Beweidungseinstellung, Sukzession, Überbauung, Aufdüngung, Umbruch, häufige Mahd) ist Pyrgus accretus bedroht und in tiefen Lagen fast verschwunden.

Bemerkungen:
Im Sommer 2006 wurde die bereits bei SBN (1997) von dort erwähnte Population des der Pyrgus alveus-Gruppe zugehörigen Taxons Pyrgus accretus im Schweizer Jura am Mont Tendre, Kanton Vaud, untersucht (ca. 1600m NN). Hierbei konnten die Ergebnisse von SBN (1997) dahingehend bestätigt werden, dass diese Population tatsächlich an Potentilla tabernaemontani ablegt (vermutlich aber darüber hinaus auch an Helianthemum).
Die ca. 30 aus einer Kopula erhaltenen Eier (+ einige Freiland-Eier an Potentilla tabernaemontani) entwickelten sich im Zimmer bis Anfang September teils zum Überwinterungsstadium L4 und stellten dann die Nahrungsaufnahme ein, teils subitan zur Puppe (zusammen mit denen aus den Eifunden: n=6). Dabei wurden sie sowohl mit Helianthemum nummularium als auch mit Potentilla tabernaemontani ernährt. Selbst mehrfache Wechsel gelangen ähnlich Pyrgus armoricanus problemlos.

Die Raupen unterschieden sich insofern in allen Stadien gering von den mir bislang bekannten Pyrgus alveus-Raupen der Schwäbischen Alb und verschiedener Teile des Alpenraums, dass die helle Begrenzung ihrer Nebenrückenlinien konstant deutlicher war. In der hellbeigen Grundfarbe und weiteren Punkten waren jedoch keine Unterschiede festzustellen. Die 6 erhaltenen Puppen wiesen hingegen keine Unterschiede auf.

Diskussion:
Der problemlose Wechsel auf Helianthemum und die Ablagen bei der Zucht machen die natürliche Nutzung dieser Gattung im Freiland zumindest wahrscheinlich. Die vermutliche Potentilla-Nutzung in anderen Gegenden (Norddeutschland, Polen etc) wird verständlich.
Somit scheint eine gewisse genetische Verschiedenheit zu bestehen, was auch die (leichten) Unterschiede bei den Raupen und den Faltern implizieren. Allerdings gibt es meiner Kenntnis nach keine bewiesenen, auf ökologischen Unterschieden und/oder reproduktiver Isolation gründenden syntopen Vorkommen von Pyrgus alveus und Pyrgus accretus. Die bislang als solche publizierten, allein auf phänologischer oder auch phänotypischer Festlegung beruhenden wie etwa am Kaiserstuhl, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch (nur ein Taxon vorkommend). Der ganze Pyrgus alveus-Komplex bedarf zudem unbedingt weiterer Untersuchungen. Momentan ist das Taxon accretus vermutlich am besten als infraspezifische Einheit von Pyrgus alveus aufzufassen.



Weitere Informationen finden sich in Wagner (2006a) im Downloadbereich.



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