Raupennahrungspflanzen:
Die Eier werden an Populus tremula (Zitterpappel) abgelegt. Seltener werden auch andere Pappeln (Populus nigra etc.) genutzt.
Lebensraumansprüche:
Limenitis populi benötigt lichte Laubmischwälder mit größeren Beständen der Raupennahrungspflanze. Optimalhabitate sind feuchte Nieder- und Mittelwaldgebiete in winterkalter Lage oder Mosaike montaner Nadelmischwälder mit reichen Weichholzmänteln und Espenverjüngung auf Weiden oder Brachflächen. Raupen fand ich beispielsweise an besonnten, aber luftfeucht stehenden Espen in Binnenmänteln lichter Wälder oder an ostexponierten, teilsonnigen Jungespen (Bäumchen 2 bis 4m hoch) an einem Fichtenwaldrand mit vorgelagerter reichlicher Espenverjüngung. Eier und Hibernarien fand ich von 0,5 bis über 3 m Höhe. Sie dürften auch an höheren Bäumen vorkommen.
Entwicklungszyklus:
Die Raupe überwintert in einem Hibernaculum als L3, das sie bereits Ende Juli oder im August aus Blattteilen formt und meist längs am Ast anspinnt (siehe 3 Photoserien). Teilweise sind die Hibernacula aber auch so angelegt, dass keine Trennung vom Blatt erfolgt und dieses durch den Blattstiel, der am Ast mit Gespinstfäden gesichert wird, ganz normal wie bei Limenitis camilla befestigt ist. Zur Anlage des Hibernaculums (Hibernorefugium, Hibernarium) wird immer ein neues Blatt benutzt (nicht das zuletzt befressene mit der Kotfahne).
Die Hibernacula können im Winter neben den Kotrippen im Juli/August bequemer und sicherer zum Artnachweis herangezogen werden als die Falter während ihrer kurzen Flugzeit.
Ausgewachsen ist die Raupe im Mai oder allerspätestens Anfang Juni. Zur Verpuppung präpariert die Raupe ein Blatt dergestalt, dass dieses einerseits am Blattstiel durch Spinnfäden am Ast befestigt wird. Zudem wird die Blattfläche derart quer besponnen, dass sich die Ränder nach oben einbiegen und so die auf der Oberseite (Kremaster an einem Gespinstpolster am Blattansatz) ruhende Puppe etwas schützen.
Der Falter fliegt von Ende Mai bis Anfang August mit Maximum im Juni, in etwas höheren Lagen mehr um die Monatswende Juni/Juli. Die Männchen kommen vor allem vormittags gelegentlich auf den Boden, um an Exkrementen etc. zu saugen. Die Weibchen sind meist schwerer zu beobachten. Zur Paarung suchen die Falter wie bei vielen Low-Density-Arten besondere Marken in der Landschaft wie etwa hohe, das allgemeine Laubdach des Waldes überragende Einzelbäume etc. auf (Wipfelbalz, siehe etwa Weidemann 1995).
Die Eiablage erfolgt auf der Blattoberseite und hier in vielen Fällen direkt an der Blattspitze. Die recht großen Eier (deutlich größer als bei Limenitis camilla) fallen hier einem geübten Auge leicht auf. Die Jungraupe fällt ihrerseits durch ihr Fraßbild sehr auf, da sie das Blatt von der Spitze her befrisst und dabei die Mittelrippe stehenlässt und sogar noch durch eine Kotrippe verlängert. Vielleicht bietet dieses Verhalten einigen Schutz vor Prädatoren wie Ameisen. Dennoch fallen sehr viele Jungraupen Parasitoiden, Wespen oder sonstigen Prädatoren zum Opfer.
Gefährdung: stark gefährdet
Gefährdungsursachen:
Limenitis populi ist vom Aussterben bedroht, da feuchte und lichte Nieder- und Mittelwälder immer seltener und kleinflächiger werden. Die Espe wird als wertloses Weichholz nach wie vor gerne aus Wäldern eliminiert. Dafür ist dichtes, restloses Aufforsten mit Dunkelhölzern in Mode und Waldränder grenzen ohne Mantel an Intensiv-Kulturland. Die wenigen verbliebenen Habitate werden in Deutschland dazu noch stellenweise bei Schwammspinnergradationen, die eigentlich harmlos sind und auf natürliche Weise wieder zusammenbrechen, mit Dimilin vergiftet. Auch Meisenmast und Waldameisenhege in den Biotopinseln dürften einen - wenn auch verglichen mit dem Biotopverlust geringeren - Einfluss besitzen.
Die durch diesen Mangel an optimalen Entwicklunghabitaten geschwächten Populationen sind überdies dem Klimawandel mit seinen immer milderen Herbst- und oft auch Winterzeiten (Atlantisierung) ausgesetzt. Die an kalte Winter adaptierte Art weist somit etwa in Süddeutschland fast nur noch in kühlen, eher feuchten und waldreichen Mittelgebirgen einige Restpopulationen auf.
Bemerkungen:
Die Gesamtverbreitung erstreckt sich von Mitteleuropa über die Zone der sommergrünen Wälder bis nach Japan. In Mitteleuropa löst sich das Verbreitungsbild zur Zeit auf und Restpopulationen sind vor allem noch in montanen Inseln (Schwarzwald, Bayerischer Wald) zu vermelden.