Oedipoda germanica (Latreille, 1804) (Rotflügelige Ödlandschrecke)


Oedipoda germanica: Männchen (Wallis) [N] Oedipoda germanica: Imago (Wallis) [N] Oedipoda germanica: Imago (Wallis) [N] Oedipoda germanica: Weibchen (Wallis) [N] Oedipoda germanica: Männchen (Ipf bei Bopfingen, 2000) [N] Oedipoda germanica: Weibchen (Ipf bei Bopfingen, 2000) [N] Oedipoda germanica: Balz (2000, Ipf bei Bopfingen) [N] Oedipoda germanica: Habitat in der Hoch-Provence [N] Oedipoda germanica: Habitat im Wallis im Frühjahr [N]

Nahrung:
Die Art frisst vor allem Kräuter, seltener Gräser, Moose oder Flechten. Gerne nehmen die Tiere auch Aas wie tote Insekten an.

Lebensraumansprüche:
Oedipoda germanica besiedelt felsige Magerrasen mit xerothermem Mikroklima und vielen Offenbodenstellen. Oedipoda germanica steigt in den südlichen Zentralalpen höher als Oedipoda caerulescens, nämlich bis etwa 2500 m NN (erstere nur bis etwa 2100 m NN). Das Tier fehlt wie Oedipoda caerulescens in den Nordalpen und ist nördlich der Alpen auf die Tieflagen und niederen Mittelgebirgslagen beschränkt.

Entwicklungszyklus:
Imagines treten von den letzten Junitagen bis Oktober auf (sogar auf 2300m NN oft noch Mitte Oktober, solange noch keine stärkeren Fröste auftraten). Die Eiablage erfolgt in lockeren Boden.

Gefährdung: vom Aussterben bedroht

Gefährdungsursachen:
In Südeuropa und den südlichen und teilweise zentralen (Wallis) Alpen ist Oedipoda germanica noch weit verbreitet und oft zahlreich anzutreffen. In Deutschland ist sie hingegen akut vom Aussterben bedroht und auf winzige Restbestände zusammengeschmolzen. Fast alle Fundorte sind bereits erloschen, so wohl auch der letzte Standort am Rande der Schwäbischen Alb (Ipf), wo ich im Jahr 2000 die eventuell letzten Imagines sah (vgl. Artphotos). Ursachen sind die Verkleinerung und Verschlechterung der Biotope dieser anspruchsvollen Art: Rückgang an Offenbodenstellen durch Nährstoffeintrag, Beweidungsrückgang, Verbuschung, Aufforstung angrenzender Flächen, Überbauung/Straßenbau, Trivialisierung durch übermäßigen Tourismus (Lagern, Klettern), Isolierung der letzten Bestände, Abbau von Steinen, Schotter etc (der bei fachmännischer Durchführung an geeigneten Stellen aber auch Sekundärhabitate erschließen kann), Weinbergsintensivierung mit Entfernung alter Mauern und Großterrassierung). Regenreiche Sommer erledigen dann bei individuenschwachen Restpopulationen meist den Rest.

Bemerkungen:
Oedipoda germanica kommt von den Pyrenäen über Teile Süd- und Mitteleuropas (nach Norden extrem lokal und aussterbend bis zu den deutschen Mittelgebirgen, nach Süden bis Mittelitalien und Südgriechenland) und Kleinasien bis Südrußland vor.



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